Der Anti - Struwwelpeter oder listige Geschichten und knallige Bilder


 
Nichts für Kinder
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Der Anti - Struwwelpeter oder listige Geschichten und knallige Bilder (Taschenbuch) Was einem hier auf 25 (!) Seiten, die im DinA-5-Format mit Anlehnungen an Wilhem Buschs Märchen bedruckt sind, geboten wird, grenzt an Wucher. Dass der Autor Friedrich Karl Waechter ausgebildeter Grafiker und nicht Schriftsteller ist - obwohl er ab 1962 für mehrere Zeitschriften gearbeitet hat - wird durch einen stilistischen Griff ins Klo deutlich. Man könnte fast sagen, jeder mit einem Hauch von Sprachgefühl könnte ein solches Werk verfassen.
Hervorzuheben sind jedoch die sehr gelungenen Zeichnungen, die mich in Zusammenhang mit dem Text während des zehnminütigen Lesens (länger braucht man nämlich nicht) die meiste Zeit zum Schmunzeln brachten.
Insgesamt halte ich dieses Buch für Kinder ungeeignet. Erwachsene werden als (in chronologischer Reihenfolge)...

- die "Blöden" (Zitate!),
- "zufrieden", wenn sie Strafen können,
- rassistisch (Vater verbietet seiner Tochter, mit den "Mohren" zu spielen),
- cholerisch (Vater reißt den Tisch herunter, als er versucht, den Suppenkaspar zu schlagen, weil er seine Suppe nicht essen will),
- tollpatschig und verklemmt (daumenlutschende Kinder ziehen dem ausgerutschten und bewußtlosen Schneider die Hosen aus),
- nochmal cholerisch (Vater schlägt Friederich mit der Peitsche und schließt ihn im Keller ein),
- protzig (Kinder prahlen mit diversen Dingen und kommen dann zu dem Schluss, dass sie sich nicht "zanken" wollen "wie die Alten"),
- geldversessen (adrett gekleideter Vater vermarktet den Fliegenden Robert, woraufhin dieser die Lust am Fliegen verliert und seinem Vater schließlich den Spaß am Fliegen lehrt)

dargestellt. Damit herrscht in dem Buch ein Hang zur intellektuellen Unterlegenheit der Erwachsenen gegenüber den Kindern - und umgekehrt eine Überlegenheit der Kinder - und somit ein Aufruf zur Untergrabung jeglicher Autorität. Das Einhalten von Regeln sei falsch und die Erwachsenen seien diejenigen, die von den Kindern (!) zu belehren sind, und nicht umgekehrt.

Ich bin ein Gegner autoritärer Erziehnung, aber Kinderaugen mit den o.g. Eigenschaften Erwachsener zu prägen geht meiner Meinung nach viel zu weit.
Weder Wilhelm Busch noch F.K. Waechter würde ich meinen Kindern antun, entweder werden sie zu neurotischen Wracks oder zu besserwissenden Rebellen erzogen.
Eine Kombination beider Werke würde vermutlich die Entscheidung für den Weg des Anti Struwwelpeters mit sich bringen, da diese Grundhaltung für Kinder die naheliegendere ist.

Alles in Allem bin ich froh, das Buch gelesen zu haben. Es bietet eine amüsante Alternative zur Rohrstockerziehung Wilhelm Buschs, jedoch sollte man es meiner Meinung nach eher als ein Mittel zur Selbstreflexion FÜR ELTERN sehen.
Das Geld ist es mir jedoch ganz und garnicht wert. Ich würde höchstens die Hälfte dafür zahlen, aber wer's hat, wird sicherlich seine Freude an dem Buch haben.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Dezember 2005
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